szmmctag

  • Museum Ludwig

    Lange Zeit war es strengstens verboten, im Museum zu fotografieren. Inzwischen gehen immer mehr Museen dazu über, es zu erlauben, wahrscheinlich, weil man es sowieso nicht verhindern kann: Jeder Mensch, der ein Handy hat, hat auch einen Fotoapparat, dessen Benutzung für viele in allen Lebenslagen so selbstverständlich ist, daß das Aufsichtspersonal kaum dagegen ankommen würde.

    Ich finde das sehr schön, denn so kann ich euch ein paar Bilder von der großartigen Architektur des Museum Ludwig zeigen. Hier ein Blick in die Eingangshalle und auf die Unterseite der monumentalen Treppe.

    Lichtführung durch die charakteristischen Shed-Dächer, von außen sehen sie so aus.

    Eine Zwischentreppe.

    Wer mal nach Köln kommt, oder hier umsteigen muß, sollte unbedingt einen kleinen Abstecher machen, das Museum befindet sich gleich neben Dom und Hauptbahnhof, der Besuch lohnt sich.

  • Naturgotik

    Nanu? Kopiert hier die Natur etwa die Architektur? Zwei Bäume, die dem Kölner Dom nacheifern? Tatsächlich ist es eher umgekehrt: Die gotische Architektur imitiert und überhöht die "Erhabenheit" der (deutschen) Wälder. So dachten man jedenfalls in der Romantik: "Vermannigfaltige die ungeheure Mauer, die du gen Himmel führen sollst, daß sie aufsteige gleich einem hoch erhabenen, weit verbreiteten Baume Gottes, der mit tausend Ästen, Millionen Zweigen und Blättern [...] verkündet die Herrlichkeit des Herren, des Meisters", schrieb Goethe 1773 angesichts des gotischen Straßburger Münsters, und der Reiseschriftsteller Georg Forster schwärmte 1791 vom Anblick des damals ja noch unfertigen Kölner Doms: "In ungeheurer Länge steht die Gruppe schlanker Säulen da, wie die Bäume eines uralten Forstes und am höchsten Gipfel sind sie in eine Krone von Ästen gespalten, dem Auge fast unerreichbar."

  • Am Bollwerk

    Sonntag abend in der Altstadt, knapp über 0 Grad, es regnet: Optimistisch stehen Kellner vor den Türen, blicken in die Dunkelheit und warten auf Gäste für die Außengastronomie, wer friert, kann sich ja noch eine Decke nehmen.

    Gar nicht so aussichtslos kündigt sich drohend und langam, aber sicher ein anderes Ereignis an. Manchmal geht man durch die Straßen und hört einen Spielmannszug mit Humptatäterä und Tschinderassabumm kölsche Stimmungslieder spielen - und wenn man dann um die Ecke guckt, hört es auf und niemand ist zu sehen. Gespenstisch!

  • Kempener Str.

    Da hat wohl jemand seine eigene Größe überschätzt - körperlich und geistig. Vielleicht hätte der Schreiber beim Denken auch ein zweites Mal ansetzen sollen, dann wäre ihm vielleicht eingefallen, daß die Leser der "Bild" unbedingt wissen wollen, wie Promis sich fühlen, wenn sie samstagabends im Fernsehen Kindergeburtstage aufführen oder Tierhoden im australischen Dschungel essen müssen. Aber ich, lieber Empörter, ich bin ganz Ohr - was sollen wir machen? Russland das Lachen verbieten, andernfalls Krieg?

  • Innenstadt

    Seit ca. einem Dreivierteljahr hat man an zehn öffentlichen Plätzen im Stadtzentrum freien Zugang ins Internet. Man muß nur sein Smartphone oder Tablet in die Luft halten, das Netz anwählen, seinen Namen eingeben und seine Smartphonenummer, schon ist man drin. Es gibt Überlegungen, dieses Angebot auf die ganze Innenstadt auszuweiten. Ermöglicht wird es von der KölnTourismus GmbH, der Firma Netcologne und dem Verein "Köln plus Partner", deren Mitglieder aus 60 Firmen bestehen, zum größten Teil Hotels. Und warum machen die das? Aus reiner Menschenfreundlichkeit?

    George Orwell irrte sich, als er glaubte, man werde den Menschen der Zukunft ihre Privatsphäre mit Zwang entreißen müssen. Man macht ihnen ein kleines "Umsonst!"-Angebot, und schon geben sie sie freiwillig auf.

  • Maximinenstr.

    Wenn man den Hauptbahnhof nach hinten raus, also zum Breslauer Platz, verläßt und nach links Richtung Eigelstein läuft, kommt man an Rundbogenvertiefungen unter den Gleisanlagen vorbei, in denen Autos parken. Hier stinkt es so sehr nach Pisse, daß man sich nicht lange aufhalten will, man geht schnell vorbei oder steigt in sein Auto und verschwindet. Vo einiger Zeit dachte man sich bei der Bahn wohl, daß sich dieser unwirtliche Ort aufhübschen ließe, wenn man ihm einen frischen Anstrich verpaßt. Unter den Anstreichern muß sich eine kunstinteressierte Person befunden haben, denn sie entdeckte ein Kunstwerk: Ein Graffito des weltberühmten Künstlers Naegeli, bekannt auch als der "Sprayer von Zürich".

    Anstatt das Werk (hier eine von mir fototechnisch gereinigte Version) nun einfach übertünchen zu lassen, entschloß man sich bei der Bahn, drumherum zu malen. Bravo! Soviel Verstand hätte ich denen gar nicht zugetraut. Von Harald Neageli habe ich hier schon einmal erzählt, wer mehr wissen will, klickt sich einfach dorthin.

  • Kögida, zweiter Versuch


    Fotomontage: Trithemius (der übrigens auch einen lesenswerten Text zu dem Thema geschrieben hat: "Charlie Hebdo, Pegida, “Lügenpresse” und wir – Versuch einer Bestandsaufnahme"); Bearbeitung: Videbitis

    Vorgestern sollte die zweite Kögida-Demonstration stattfinden, diesmal direkt vorm Bahnhof. Magere 150 Demonstranten fanden sich ein, zur Hälfte Angehörige der sogenannten Hogesa ("Hooligans gegen Salafisten"), die sich im Oktober letztenJahres in einer Stärke von 4.800 Mann Straßenschlachten mit der Polizei auf dem Breslauer Platz geliefert hatte - der Pegida-Ableger zeigt sein wahres, häßliches Gesicht. Da die Demonstranten sich 6.500 Gegendemonstranten gegenübersahen, verschaffte die Polizei ihnen einen Demonstrationsweg von 650 Metern und wieder zurück.

    Derweil kündigt die Bundeskanzlerin schärfere Gesetze gegen Terroristen an - mit weitreichenden Konsequenzen:

    Eine Szene in einem Unterschlupf irgendwo in Deutschland:

    Terrorist A: Hey, Leute, hört mal, ich habe schlechte Nachrichten. In Deutschland werden bald alle Telefongespräche und jede Internetbenutzung gespeichert.

    Terrorist B, C, und D (durcheinander): Och nöö! ... aber das geht doch nicht! ... ja sind die denn irre! ...

    Terrorist A: Leider stimmt es. Die nächsten Anschläge können wir uns abschminken.

    Terrorist B: Menno! Ich hatte mich schon so darauf gefreut. Was machen wir denn nun?!

    Terrorist A: Leute, wir müssen und mit dem Gedanken vertraut machen, daß wir erledigt sind. Die Merkel ist einfach zu schlau für uns. Immerhin haben wir geschafft, daß die Regierung nun alle Bürger für potenzielle Terroristen hält, die man überwachen muß.
    Also: Ihr wißt, was ihr zu tun habt.

    Terrorist A, B, C und D legen traurig, aber entschlossen ihre Waffen ab, entledigen sich ihrer Verkleidung, ziehen Anzüge an, fahren nach Hause, gründen Familien und gehen ordentlichen Berufen nach. Und wenn sie nicht gestorben sind ...

    Danke, Angela!

  • Kögida

    Dunkeldom

    So ähnlich muß es ausgesehen haben, als vor anderthalb Wochen der Domprobst die Außenbeleuchtung des Doms für einige Stunden abgestellt hat: Die Kögida-Demonstration, die vom Rechtsrheinischen ausgehend am Dom enden sollte, wollte er durch die Beleuchtung nicht unterstützen. Allerdings kamen die ca. 500 Demonstranten dort gar nicht an. 5.000 Gegendemonstranten blockierten den Weg, so daß die Kögida-Anhänger ihr Vorhaben schon am Ausgangspunkt, dem Deutzer Bahnhof, wieder aufgaben.

    Als ich das erste Mal die Auflösung der Abkürzung „Pegida“ las, mußte ich lachen: „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ – das konnte doch wohl nur ein Scherz sein. Das Abendland, damit ist immer das christliche Abendland gemeint. Was soll daran christlich sein, um ihr Leben bangende Flüchtlinge die Hilfe zu verweigern? War der Namensgeber des Christentums nicht selbst Sproß einer Flüchtlingsfamilie, der in einer elenden Notunterkunft geboren wurde? Und in dessen Namen sollen nun andere Familien abgewiesen werden, die gezwungen sind, ihre Heimat aufzugeben, weil man ihnen ihre Häuser über den Köpfen zusammengeschossen hat und sie umbringen will?

    Ich glaube nicht, daß die 25.000 Pegida-Demonstranten, die diese Woche in Dresden aufmarschiert sind, wirklich wissen, was sie da fordern, die meisten haben noch nie jemanden muslimischen Glaubens bewußt gesehen, ganz zu schweigen davon, daß sie vom Islam nicht die geringste Ahnung haben. Was sie auf die Straße treibt, sind die Gelegenheit, die die Pegida-Initiatoren ihnen bieten, und allgemeine Unzufriedenheit mit den Verhältnissen. Man ist Hartz-IV-Bezieher oder –Aufstocker (die von ihrer Arbeit nicht leben können) oder hat die Aussicht, daß man da jederzeit landen kann, ist vielleicht Geringverdiener ohne Perspektive auf eine Verbesserung, oder Rentner, dessen materielle Lebensqualität von Jahr zu Jahr sinkt, dazu steigende Mieten, Verarschung durch die Stromkonzerne, das hohle Geschwätz der Politiker egal welcher Couleur etc. und das Gefühl der Machtlosigkeit, irgendwas dagegen tun zu können – diese Mischung schafft eine Empörung, einen Zorn, für den es kaum ein Ventil gibt. Und dann kommen auch noch diese fremden dunkelhäutigen Menschen mit einem Glauben, von dem man im Fernsehen nur Schlimmes hört, und kriegen alles frei Haus serviert!

    Voilà – da ist das Ventil. Und weil man gerade dabei ist, packt man seine restlichen Vorurteile auch noch hinein in seine Wut: „Wir Deutschen müssen unseren ganzen Besitz abgeben, bis uns mal Hartz IV zusteht, und der Türke und der Italiener haben in ihrer Heimat ein Häuschen, kommen dann hierhin und kriegen sofort Hartz IV“, gibt eine Kögida-Demonstrantin zu Protokoll.

    Neid, Verbitterung, Mißgunst, Angst sind die Früchte einer seit Jahren verfehlten Arbeits- und Sozialpolitik. Mit einer angeblich drohenden Islamisierung hat das nichts zu tun, viele Pegida-Demonstranten glauben wahrscheinlich selbst nicht daran, sondern sie laufen den Rattenfängern hinterher, weil das eine Gelegenheit ist, dem machtlosen Zorn Raum zu geben. Daß der sich entwickelnde Haß dabei die Falschen trifft, nehmen sie billigend in Kauf - das Fremde war schon immer eine gute Projektionsfläche. Aber sie wollen es nicht hören, und das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb sie Journalisten mit „Lügenpresse“ beschimpfen – so gehen sie jeder Diskussion, die sie zweifellos verlieren würden, aus dem Weg.

    Die Unzufriedenheit, die sich zum Fremdenhaß entwickelt, ist gefährlich. Appelle der Politiker nützen da gar nichts. Sie müssen den Mut haben, die Zusammenhänge zu untersuchen und etwas dagegen zu tun.

  • In ganz Köln

    Neulich war im Fernsehen zu sehen, daß Elefanten ganze Weihnachtsbäume verspeisen. Was macht der Kölner daraufhin? Er wirft seinen Baum aus dem Fenster und kümmert sich nicht mehr darum, und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Im Gegenteil, er denkt, er habe ein gutes Werk getan, weil er den Dickhäutern was zu Fressen gegeben hat. Und wenn er dann doch mal beiläufig aus dem Fenster blickt und das da sieht, denkt er: "Doofe Tiere, diese Elefanten! - fressen sollt ihr die Bäume, nicht zertrampeln!"

  • Neusser Wall

    Afri-Cola ist eine Cola-Marke, die bereits 1931 in Köln entwickelt und produziert wurde. Der damalige Inhaber versuchte das Produkt gegen den übermächtigen Konkurrenten aus Amerika durchzusetzen, indem er ihn als "jüdisch" diffamierte. In den 60er Jahren sanken die Umsätze so stark, daß man versuchte, sich der Jugend durch popartige Werbung anzudienen: "Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola – alles ist in Afri-Cola…". Wer weiß, wie überwiegend verschnarcht damals das deutsche Fernsehprogramm war, wird sich an das Außergewöhnliche des Werbespots von Charles Wilp erinnern.
    Angeblich kann man Afri-Cola noch immer kaufen, ich habe sie aber schon lange nicht mehr gesehen. Allerdings trinke ich so ein ungesundes Zuckerzeug auch nicht, auch nicht die Konkurrenzprodukte.

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