szmmctag

  • Weiherzulauf / Neusser Str.

    Die Entchen im Weiher sind noch so klein, die können eigentlich erst am selben Tag geschlüpft sein, aber schwimmen können sie schon, als hätten sie es gelernt. Sehr putzig anzusehen, wie gleich zehn von ihnen auf dem Wasser hin und her flitzen - eine dunkle Männerstimme sagt im Vorbeigehen: "Die können froh sein, wenn noch zwei übrigbleiben." Was meint er nur? Füchse? Katzen? Oder Ente süß-sauer? Keine Ahnung.

    Auch die Stühle putzen ihre Federn, "fasten your seatbelts" - die Urlaubssaison fängt wieder an. Wohin soll die Reise gehen? Vielleicht gibt das Täschchen einen Hinweis: Das ist eine sogenannte Clutch (sprich: klatsch, engl.=ergreifen, fest umklammern), die frau unterm Arm trägt, wenn sie in die Oper geht oder ins Theater. Viel paßt da wahrscheinlich nicht hinein: Ein Handy, Lippenstift, Tempos und eine Camelia für die blaue Ersatzflüssigkeit. Die Tasche ist mit Maharadscha-Chiffon geschmückt - ha, fliegt der Stuhl vielleicht nach Indien?

    Das ist uns dann doch zu weit, wir bleiben lieber im heimischen Biergarten ...

    ... wo wir von der freundlichen Bedienung stets mit einem herzlichen Willkommen begrüßt werden.

  • Ei, der Dom

    Gestern war ich mal wieder richtig schön tanzen, das tat gut, heiße Rhythmen, kühlende Drinks ... was? Wer nennt mich da Schwindler!? Wer behauptet, ich lüge, der werfe den ersten Stein ... aua! Okay, ich geb's zu, aber heute abend ... habe ich keine Lust.

    Schöne Feiertage, viele Grüße aus der beeierten Domstadt.

  • Aachener Str.

    Bei der FDP scheint man zu glauben, daß sie deshalb immer nur so wenig Stimmen bekommen, weil die dummen Wähler die Buchstaben verwechseln: Man muß bei den Buchstaben FDP das Kreuzchen machen, wenn man sie wählen will, nicht etwa bei den Buchstaben CDU oder SPD. Ja - wieso hat man das denn nicht vorher bekannt gegeben? Vielleicht wäre noch die ein oder andere Stimme abgefallen.

    Wenn nicht jetzt, wann dann? Liebe FDP: Jetzt nicht, und dann auch nicht mehr, das seht ihr völlig richtig. Sucht euch andere Jobs, vielleicht im Hotelgewerbe, die freuen sich immer noch über die Steuergeschenke, die ihr ihnen gemacht habt, als ihr noch konntet.

  • Trankgasse

    Wenn man den Hauptbahnhof verläßt, gleich links geht, dann wieder links, und den Dom rechts liegen läßt, kommt man zu einer der schmuddeligsten Ecken Kölns: Die beiden kurzen Tunnel, von denen der eine zur Bahnhofsrückseite, der andere zur Rheinuferstr. führt. Es riecht nach Abgasen und durchdringend nach Urin, überall liegt Abfall. Zur Aufwertung hat man nun den ersten Tunnel geschickt beleuchtet, türkisfarbene LED-Lampen sollen für eine angenehmere Atmosphäre sorgen. Das ganze Projekt trägt das Motto "Licht gegen Angsträume" und soll noch ausgeweitet werden. Ich finde es ganz schick, wie die Stahlträgerarchitektur da in Szene gesetzt wird, aber ob es die Wildpinkler und Umweltverschmutzer davon abhält, da ihren Unrat abzuladen? 10 Cent von jedem Würstchen, jedem Stück Pizza, das im Erlebnisbahnhof verzehrt wird, und man könnte das kommerziell geführte Bahnhofsklo wieder zu einer freien öffentlichen Bedürfnisanstalt machen. Solange man 1 Euro fürs Pinkeln bezahlen muß, sehe ich schwarz für die beiden Tunnelstraßen - Licht hin oder her.

  • Venloer Str.

    Eine große, tropfende Nase ist ja eher keine schöne Erscheinung, kann aber Grund genug sein für ein Denkmal. Der Nasenbrunnen in Ehrenfeld ist dem Kölner Original Andreas Leonhard Lersch (1840–1887) gewidmet, der seinen Zinken in Vieles steckte: Er war nicht nur Soldat, Metzger, Schauspieler, Abdecker und Geheimpolizist, sondern auch Hundefänger, ein Beruf, in dem er besonders erfolgreich war. Seine Methode war berühmt und gefürchtet: Er benutzte ein Netz, um die scheinbar herrenlosen Streuner einzufangen. In seiner Amtszeit soll die Höhe der eingezahlten Hundesteuer stark gestiegen sein - vielleicht ist das der Grund, weshalb der Brunnen vor dem Bezirksrathaus steht, man erhofft sich höhere Einnahmen. Scharfrichter war "Läsche Nas" übrigens auch, aber das Amt brauchte er nie auszuführen.

  • Hohenstaufenring

    Neulich wurde in der Zeitung von einer neuen Art der Fußpflege berichtet (es war nicht am 1. April): Man läßt seine Füße in einem Aquarium baumeln, in dem kleine rote Fische schwimmen. Die Saugbarben stürzen sich sofort darauf und knabbern die Hornhaut ab, das erspart einem den rauen Bimsstein und soll angeblich die Durchblutung fördern. Die Stadtverwaltung hat diese Dienstleistung nun verboten, aus Gründen des Tierschutzes. Nanu? Da werden täglich zig Tausende von Tieren geschlachtet, weil wir uns mit ihrem Fleisch ernähren wollen, aber wenn wir ihnen etwas bieten, was offensichtlich eine Delikatesse für sie ist, wird das auf dem Verwaltungsweg untersagt? Gut, ich habe schon Mauken gerochen, da kommt es einem hoch - aber hat man schon Fische kotzen sehen?
    Schweren Herzens müssen wir uns nun also mit dem Honig begnügen. Ich hoffe, man muß ihn nicht mitbringen. Vor ein paar Tagen habe ich relativ blind ins Supermarktregal gegriffen, hauptsache es war echter Imkerhonig. Nicht schlecht gestaunt habe ich dann, als ich an der Kasse 8,99 dafür zahlen mußte. Den werde ich mir auf jeden Fall oral zuführen.

  • Friesenstr.

    Das Brauhaus Päffgen gibt es bereits seit 1883, und tatsächlich wird das Kölsch noch hier im Hause gebraut. Andere Brauhäuser haben die Produktion längst in vollautomatische Produktionsstätten vor den Toren der Stadt verlagert. Das Päffgen-Kölsch wird nicht in Flaschen abgefüllt, und der Ausstoß ist so gering gehalten, daß neben dem Brauhaus nur neun andere Kneipen in Köln das Bier ausschenken dürfen. Am Wochenende abends ist hier ziemlich viel los, was wohl daher kommt, daß sich sich das Friesenviertel in den letzten Jahrzehnten in ein Remmidemmigebiet gewandelt hat, sonntagnachmittags dagegen geht es beschaulich zu. Vom Essen sollte man allerdings die Finger lassen: Den Sauerbraten, immerhin eine rheinische Spezialität, habe ich woanders schon sehr viel besser gegessen, und die Bratkartoffeln, die so aussahen, als kämen sie aus einer Tiefkühltüte, wurden ohne Speck und Zwiebeln serviert. Das kriegt ja sogar jeder Imbiß besser hin.

  • Frühling

    Nicht nur die Narzissen sprießen ...

    ... auch die Menschen blühen auf. Die Kioske und Biergärten freuen sich auf hohen Umsatz und die Pfandflaschensammler rüsten sich für die neue Saison. "Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land" - die ersten Grillrauchschwaden schweben sanft über den Parkwiesen.

  • Kölner Straßenverkehr

    Sonntag stand ich am Fenster meiner Wohnung und bekam zufällig diese Szene mit:

    Na, ist ja nochmal gut gegangen. Aber da traut man sich kaum noch vor die Tür. Als das gute Wetter mich doch hinaustrieb, kam ich gerade bis zur nächsten Ecke, dann passierte das:

    Das ist hier schlimmer als in der Serie "Alarm für Cobra 11". Immerhin, meinen Kuchen habe ich heil nach Hause gekriegt.

    Innerhalb kürzester Zeit waren Feuerwehr und Ambulanz anwesend, wie man hört, ist niemand zu Schaden gekommen - von den Fahrzeugen mal abgesehen.

    Wieso überall diese Geräte herumstanden - keine Ahnung. Was kann das sein? Wetterstationen?

  • Berlin, Berlin (8): Neue Nationalgalerie

    Das erstmal als Warnung vorweg. Der Spruch steht nicht an einer Kirchentür, sondern an einer Wand der Ausstellung "Ausweitung der Kampfzone" in der Neuen Nationalgalerie. Das Gebäude wird Ende 2014 für vier Jahre geschlossen und saniert, man hofft noch auf einen Erweiterungsbau, dessen Finanzierung aber ungewiß ist. Diese Ausstellung ist der dritte Teil einer Ausstellungstrilogie über die Kunst des 20. Jahrhunderts und umfaßt die Jahre 1968 bis 2000.

    Ob das der Stein des vermuteten Anstoßes ist? "Penis and Vagina" von Paul McCarthy - sieht gar nicht nach "Pfui!" aus, eher harmlos. Gut, irgendwo wird noch ein Video abgespielt mit der unvermeidlichen nackten Marina Abramovic.
    "Ausweitung der Kampfzone", der Titel ist ein Zitat, so heißt auch ein Roman von Michel Houellebecq aus dem Jahr 1994. Gemeint waren dort die 'Zonen' Wirschaft und Sexualität, erstere ausgeweitet durch den Neoliberalismus, die zweite durch die "sexuelle Revolution".

    Die Kampfzone Kunst möchte man verstanden wissen als einen Ort, in dem gekämpft wird: Viel Nach-68er-Kunst sei aus einem aufklärerischen Impuls entstanden, sie sei häufig ein Kampf um bessere Verhältnisse, so die Ausstellungsmacher.

    Das mag im Einzelfall so sein, aber ich finde, das teilt sich durch die Kunst selbst nicht mit. Ich sehe in der Ausweitung der Kampfzone Kunst eher eine Befreiung der Kunst ("anything goes"), und damit einhergehend einen Verlust an Traditionen und eine Veränderung von künstlerischen Werten. In der Kampfzone Kunst zu bestehen ist härter geworden, eben, weil jeder alles machen kann. Das schöne bunte Bild oben ist z.B. von Gerhard Richter, dem höchstgehandelten Künstler weltweit - nach meiner Meinung völlig überbewertet, aber so sind halt die Gesetze des Kunstmarktes, irrationaler als die Kunst selbst.

    Nauman

    Bruce Naumans "Double Poke in the Eye II" (war hier gestern schon irrtümlicherweise zu sehen) ist ein netter Kommentar dazu, wie Menschen oft miteinander umgehen: Piekst du mir ins Auge, piek ich dir ins Auge: Schmerzhaft - und ziemlich lächerlich. Woher kenne ich diese Szene? Ich glaube, in mehreren Filmen mit Laurel und Hardy habe ich sie schon gesehen. (Die Köpfe bewegen sich übrigens nur in der gif-Datei, so lange konnte ich die Kamera nicht still halten).

    Auf ganz andere Weise lächerlich ist dieses Kunstwerk von Damien Hirst, den seine Kunst inzwischen zum Milliardär gemacht haben soll: "Pharmaceutic Wall Painting, Five Blacks", erworben 2013. Mich würde interessieren, was man dafür bezahlt hat.

    Das Interessanteste an dieser Bastelarbeit diesem Kunstwerk (von Jason Rhoades) ist sein Umfang und seine Rätselhaftigkeit - der Schleier lüftet sich etwas, wenn man den Titel liest: "Fucking Picabia Cars with Ejection Seat". Alles klar? Ich habe ja auch gesagt: Etwas. Picabia war ein Dada-Künstler, der einen Hang zu schnellen Autos und Technik hatte. Das stilisierte Auto liegt tatsächlich irgendwie auf dem Rücken Dach und wird - aha - von einem Schleudersitz penetriert. Soso ...

    Die Tücke des Objekts: "Küchenkoller" (Ausschnitt) von Bernhard und Anna Blume.

    Das Flugzeug aus Blei (mit Bleibüchern auf den Flügeln) von Anselm Kiefer verblaßt etwas vor dem großartigen Revolutionspanorama des DDR-Künstlers Werner Tübke:

    Gemalt im Stil des Manierismus-Malers Hieronymus Bosch - man kann sich kaum sattsehen.

    Da sind zwei zu erkennen: Luther und Albrecht Dürer.

    Das bekannte (wirklich gemalte) Bild des Hyperrealisten Franz Gertsch: "Barbara und Gaby" - ich hatte keine Ahnung, daß es so groß ist.

    Das sind nur ein paar Exponate, ungefähr 100 gibt es insgesamt zu sehen. Eine gute Auswahl, sehr amüsant und aufschlußreich, mir hat es jedenfalls gefallen.

    Ende.

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