szmmctag

  • Tanzbrunnen

    Nicht viel los an der Frittenbude während des Blumenmarktes am Tanzbrunnen.

    Gut, vielleicht liegt es auch daran, daß es schon tiefer Nachmittag ist, als wir eintrudeln, die meisten Leute sind alle schon wieder weg, nur die Standbetreiber harren noch aus.

    Da sitzen noch ein paar Besucher und erfreuen sich an den Tanzdarbietungen zu einem Potpourri von Kölschschlagern (Potpourri heißt wörtlich übersetzt "verfaulter Topf", und genau so hört sich das an).

    Aber - das Wetter ist schön, die Stimmung relaxt, und wenn wir wollen, können wir eine bunte Basttasche kaufen, das ist doch nett.

    Wer keinen Garten hat, braucht sich nicht mit Blumen abzuschleppen, und genießt die Spätsommersonne am Rhein.

    Das Drama, das da erahnbar wird, ist gar kein Gewitter, sondern ein Kamerafilter, der genau so heißt: Drama. Am unteren Bildrand übrigens das Wahrzeichen Kölns, das man aus vielen Teilen der Stadt sehen kann: Der Baukran.

    Hallo! - da hat sich inzwischen Kundschaft eingefunden, Abendbrotzeit, die Tochter hat Hunger. Zwei Fritten müßten reichen, dann ist der Magen voll.

  • Tipsgasse

    Eine Straße mitten in der Kölner Altstadt, in der keiner wohnt: Die Tipsgasse hat keine Hausnummern, und die Häuser haben keine Türen, wo jemand hineingehen kann. Mit 16 Metern Länge ist sie die kürzeste Straße der Stadt. Im 18. Jahrhundert hieß sie noch "Tievesgäßchen", was vielleicht ein Stummelname von "Matthäus" ist - von "Thäus" zu "Tieves" ist es nicht so weit.

  • Sonntag

    Wenn die Straßen für Autoverkehr gesperrt sind ...

    ... und auch Fußgänger ungeplant in so manche Sackgassen laufen ...

    ... dann ist Köln-Marathon. Nein - Rhein-Energie-Marathon heißt das ja jetzt, einer der örtlichen Stromversorger sponsort offensichtlich.

    5300 Läufer sind angetreten, von denen 3950 das Zieltor erreichten. Der Rest hat schlappgemacht - 42 Kilometer im Dauerlauf, da kann ich mir auch Schöneres vorstellen.

    Gut, wenn man es geschafft hat, ist das wahrscheinlich ein großartiges Gefühl. Marathonlauf scheint ürigens ein überwiegend männlicher Sport zu sein: Unter den Zielläufern waren bloß 777 Frauen.

  • Breslauer Platz

    2008 entschloß sich der Stadtrat, den Platz hinter dem Hauptbahnhof neu zu gestalten. Da er nicht so kahl aussehen sollte, entschied man sich dafür, einen Brunnen anzulegen. Letztes Jahr nun war der Platz fertig (hier erzählte ich davon), der Brunnen allerdings fehlte. Man hatte ihn glatt vergessen, angeblich, denn die unterirdischen Leitungen waren vorhanden. Nützte nichts, ein Brunnen war beschlossen, ein Brunnen mußte her, und da ist er nun. Von den ursprünglich veranschlagten Kosten in Höhe von 280.000 € sind nun 340.000 € geworden, das kennt man ja, da taucht dann plötzlich noch ein Kabel oder eine Schraube auf, die man in der Kalkulation vergessen hatte. Sieben Strahlen, pro Strahl also ca. 49.000 € - im Durschnitt, denn der kleine war ja vermutlich billiger als der große.

  • Urlaub Hermannsweg: 7. Etappe - Leopoldstal

    Da ist er endlich, der Namensgeber des Wanderweges.

    Um zu ihm zu gelangen, müssen wir die steilste Steigung der ganzen Wanderung bewältigen - uff!

    Von hinten ...

    ... und von vorn. Äh ... pardon, falsches Foto ...

    ... nochmal: Und von vorn. Für 3 Euro kann man den Sockel besteigen. Auch die Figur hat innen eine Treppe, aber die ist nicht mehr öffentlich zugänglich, seitdem einmal ein Tourist aus einem der Nasenlöcher gefallen sei, wird augenzwinkernd behauptet.

    Könnte stimmen, der Kopf allein hat eine Höhe von 4,50 m.

    Der Grund für seine Verehrung: Hermann/Arminius einte die untereinander feindlichen Germanenstämme, dezimierte so die römischen Besatzer erheblich und drängte sie zurück bis an den Rhein - und gab so ein Beispiel für die Kraft eines geeinten Volkes, dessen man sich im 19. Jahrhundert nur zu gern erinnerte: Große Teile des heutigen Deutschlands bestanden aus Kleinstaaten, mit jeweils eigener adliger Führung, eigener Wirschaft, eigenem Heer usw. Das war nicht nur in Kriegszeiten ineffektiv, auch wirtschaftlich warf es nur wenig Gewinn ab, wenn man z.B. Waren vom Süden in den Norden transportierte, mußte man x-mal Zoll bezahlen. Außerdem fühlte man sich den anderen "großen" Nationen gegenüber minderwertig. Um die Einheit voranzutreiben und der Sehnsucht danach Nahrung zu geben, beschwor man "deutsche" Großtaten und "deutsche" Größen, was langfristig in einen chauvinistischen Nationalismus führte, der 1945 endete, jedenfalls vorerst. Die Bundesregierung im Verein mit Bundespräsident Gauck macht gerade den Versuch, die militärische Rolle Deutschlands neu zu definieren - es scheint ihnen nicht klar zu sein, daß wir vor dem Hintergrund unserer Geschichte allen Grund haben, uns zurückzuhalten. Oder es ist ihnen egal.

    Weitere Beispiele für die Beschwörung und Feier des Deutschtums sind übrigens die Walhalla bei Regensburg und auch - die Vollendung des Kölner Doms.

    Ernst von Bandel hieß der Bildhauer, der ein paar Jahre in einer Hütte auf der Baustelle gelebt hat. Woher der Name "Hermann" für Arminius herkam, weiß man nicht mehr genau, nur, daß er ungefähr um 1500 zum ersten Mal auftauchte. Heer und Mann - das schafft Respekt, Arminius hingegen klingt nach kraftlosem Schriftgelehrten aus Italien, ausgerechnet!

    Die Italiener, die verhacken wir zu Wurst, hoho! Varus, der römische Verlierer der Schlacht 9 nach Chr., kann hier in kleinen Dosen mit nach Hause genommen werden.

    Nicht mehr weit, und wir erreichen die Externsteine. Der Wanderführer möchte uns noch ein paar Kilometer weiterschicken, auf den Velmerstot, aber da waren wir schon, ihr erinnert euch vielleicht: Der Eggeweg beginnt hier bei den Externsteinen, wir sind ihn vor zwei Jahren bereits gegangen (wer will, liest hier weiter).

    Wir kürzen ab. In Leopoldstal, einem Ortsteil von Horn-Bad Meinberg, steht die Pension "Alte Schule", die schönste Unterkunft unserer Wanderung. Hier könnte man glatt eine Woche logieren, als Station für kleine Ausflüge in die Umgebung.

    Das war's - eine empfehlenswerte Wanderung, auch anstrengend, aber mit der richtigen lustigen Begleitung ein Vergnügen. Hm - wo wandern wir als nächstes hin?

    Ende.

  • Urlaub Hermannsweg: 6. Etappe - Hörste

    Wieder mal ein Turm, "Eiserner Anton" wird er genannt, warum, habe ich nicht herausgefunden. Der Fabrikant, der ihn gestiftet hat, nannte ihn Bismarck-Turm, zu Ehren des Otto von. Wir warten, bis die Mountainbike-Fahrer genug geguckt haben.

    Apropos: Links hoch ist wirklich sehr steil, daß schafft selbst der geübte Biker kaum. Man begegnet relativ vielen Moutain-Bikern, aber man verträgt sich, auch wenn die Wege manchmal schmal sind.

    Ein sehr großes "Ehrenmal", für die "Gefallenen" (gemeint sind die Dahingemetzelten) des 1. Weltkrieges.

    Einer der letzten überlebenden Offiziere des hier geehrten Regiments, Curt Roß, sagte 1978 in einer Ansprache: "... unsere vorausgegangenen Brüder werden uns einmal fragen, ob wir genug dafür getan haben, daß ihr Opfer den Sinn erhalten hat, daß sich solche Gewaltsamkeit nicht wiederhole." Das kann man schnell beantworten: Im Gegenteil. Der Bundespräsident schlägt schon die Trommel, es sei "manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen" - und sie erstmal anderen in die Hände zu drücken, die ersten Maschinengewehre sind geölt und verpackt fürs wilde Kurdistan.

    Wenn man Wald im Hintergrund hat, hat man Platz, um alle möglichen Denkmäler hinzustellen, sagt man sich offenbar in den anliegenden Städtchen, denn da wollen sowieso keine Autos parken. Im Ort ist das ja anders. Dieser Steinhaufen ist für Hermann Löns, der hier auch mal wanderte (ich darf auf keinen Fall berühmt werden, sonst ehrt der nächste Haufen Videbitis). Der Dichter war eher keine angenehme Person, wenn man dem interessanten Wikipedia-Artikel glauben darf. Lesenswert!

    Über Hörste, unserem Etappenziel, kann ich nicht viel sagen, die Häuser vermitteln den Eindruck eines Speckgürtelortes, wo Leute in Häusern mit großen Vorgärten schlafen. Über das Hotel schweigen wir lieber, ist ja klar, daß nicht alle Hotels 5 Sterne haben können. Aber das Essen war gut.

    Fortsetzung folgt.

  • Urlaub Hermannsweg: 5. Etappe - Bielefeld

    Die Gegend, durch die wir laufen, ist die alte Grafschaft Ravensberg, über 600 Jahre (bis 1807) regierten hier die Grafen und ihre Nachfolger. Fünf Burgen hatten sie, die bekannteste ist die Sparrenburg in Bielefeld. Turm und Haus oben sind die Reste der Burg Ravensberg. Heute gibt es einen Biergarten und ein kleines Open-Air-Theater. Auf Schildern wird man gebetenangewiesen, sein Fahrrad vor den Toren an einer bestimmten Stelle zu deponieren, die Gaststätte nicht durch eine bestimmte Tür zu betreten, sondern durch eine andere usw., sonst ...

    ... kommt man an den Pranger. Der Ton hier in der Gegend ist etwas rauer als im Rheinland (und auch als in jeder anderen Gegend, die ich kenne). Als wir in Bielefeld essen waren, servierte die Bedienung uns unsere Speisen mit einem Gesichtsausdruck, der mit "Abscheu" nicht übertrieben bezeichnet werden kann. Als ich sie nach der Mahlzeit fragte, ob ich vielleicht noch einen Schnaps bekommen könne, brachte sie mir nicht etwa die Karte, sondern raunzte mich an: "Obst oder Kräuter!" - oder Pranger!? - schwang da unheilvoll mit, ich war froh, daß kurz vorher am Nebentisch jemand Bommerlunder bestellt hatte, und obwohl ich keine Ahnung hatte, was das war, bestellte ich das auch schnell. Puh - nochmal davongekommen. Und wie der schmeckt, weiß ich jetzt auch.

    Kennt jemand noch Karl Carstens? Anfang der 80er war er Bundespräsident von Deutschland. Ob er sich wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP in den 40ern geschämt hat, weiß ich nicht, jedenfalls war die Scham nicht groß genug, ihn davon Abstand nehmen zu lassen, sich ins höchste Amt Deutschlands wählen zu lassen. Da er als Bundespräsident offenbar nicht viel zu tun hatte, wanderte er mit seinen Bodyguards und den Honoratioren der jeweiligen Gegenden durch die Bundesrepublik. Hier hat er offenbar eine Eiche gepflanzt - Eichen können über 1000 Jahre alt werden. Diese hat es allerdings so wenig geschafft, wie das Tausendjährige Reich, dessen Anhänger Carstens in jüngeren Jahren war.

    Da müssen wir hoch - in der Karte steht irgendwas von Kaffeemühle.

    Zu früh gefreut, kein Latte macchiato: Der "Lustpavillon" wird nur so genannt, weil er so ähnlich aussieht und außerdem von einem Kaffeehändler errichtet wurde, der hier um 1800 einen Landschaftspark besaß.

    Eine geschichtsträchtige Etappe: Dieser Haufen von 1930 ist ein Denkmal für Walther von der Vogelweide, dem berühmten mittelalterlichen Minnesänger, zu dessen 700. Todesjahr. Der Sänger war zwar nie hier in der Gegend, aber egal; als letzter Satz steht auf dem Stein:
    "Walther von der Vogelweide,
    wer sein vergäße, tät mir leide!"
    Weia!

    Und noch ein Denkmal: "Lerne leiden, ohne zu klagen." Was sich nach dem üblichen christlichen Masochismus anhört, soll angeblich ein Satz aus dem Munde Kaiser Friedrich III. sein, ihr wißt ja alle, wer das ist ... nein? Kaiser Friedrich war einer der Kaiser im sogenannten Dreikaiserjahr 1888. Nachdem sein Vater, der erste deutsche Kaiser Wilhelm I., (endlich) gestorben war, übernahm er dessen Amt für genau 99 Tage, dann starb auch er, an Kehlkopfkrebs. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Wilhelm II., der Deutschland in den 1. WK führte.

    Nach so viel Bildung brauchen wir erstmal eine Erfrischung. Äh - hallo, Bedienung, was macht der Strohhalm in meinem Kaffee?

    Endlich! - Bielefeld.

    Das ist die Sparrenburg, von der ich schon geredet habe, das Wahrzeichen der Stadt, allerdings haben wir sie nicht genauer angesehen, denn wir sind platt: 25 hügelreiche Kilometer, das war bis jetzt die schwerste Etappe.

    Einen Park bei der Kunsthalle ...

    ... eine geschniegelte Fußgängerzone, die ganz gemütlich wirkt ...

    ... und einen sogenannten Gnadenstuhl, der auf sympathische Weise mißbraucht wird, viel mehr haben wir nicht gesehen von Bielefeld.

    Plus diesen optimistischen Spruch einer Schuhfirma - wir hoffen, sie hat recht.

    Fortsetzung folgt.

  • Urlaub Hermannsweg: 4. Etappe - Borgholzhausen

    Nur die Harten kommen in den Garten, heißt es ja, also die Kinder in den Kindergarten, die sich von Totenmasken nicht abschrecken lassen. Kindheit in Niedersachsen ist hart, das weiß ich aus eigener Anschauung.

    Keine Frage, Zecken sind gemeine Biester, in dieser Gegend aber eher ungefährlich.

    Bibendum heißt das Michelin-Reifenmännchen, von dem Satz "Nunc est bibendum!", übersetzt: Jetzt laßt uns einen trinken. Den Spruch haben die Gestalter von einer Brauerei geklaut, auf dem Werbeplakat für die Reifenfirma schluckt die Figur keinen Alkohol, sondern die Hindernisse, die auf dem Weg liegen. Kurios.

    An ein paar Schilder kann ich mich noch erinnern.

    Noch ein Schritt, vorbei an diesem Grenzstein mitten im Wald, und wir sind wieder in Nordrhein-Westfalen, genau gesagt, in OWL. Selbst der Moderator des TV-Regionalprogramms spricht nur von OWL, und es dauert etwas, bis wir darauf kommen: Ostwestfalen-Lippe. Das H auf dem Stein steht übrigens für Hannover, auf der anderen Seite ein P für Preußen. Da hat sich also die Grenze zwischen diesen beiden Ländern seit der Zeit, als das Rheinland und Westfalen preußisch waren, nicht verändert.

    Auch in OWL gibt es Kunst, Landart.

    Manchmal steht ein Turm am Wegesrand, von dem aus man sich einen Überblick verschaffen kann - über Wald und Siedlungen. Viel zu sehen ist also nicht, aber das Gefühl von Weite ist mal ganz schön, unten sieht man ja immer nur bis zur nächsten Wegbiegung. Früher war hier nur Wald, ohne gut ausgebaute und markierte Wanderwege, aber die Römer haben schon ganz andere Dinge gemeistert, dachten sie wohl. Einer ihrer Verbündeten, der Cheruskerfürst Arminius, den man später Hermann nannte, führte sie hier in der Gegend in einen Hinterhalt, wobei 15.000 bis 20.000 Römer ihr Leben verloren. Für diese Großtat ist man Arminius/Hermann heute noch so dankbar, daß man (nicht nur) diesen Wanderweg nach ihm benannte. Nach Varus hingegen, dem römischen Verlierer, nannte man die Schlacht - und eine Leberwurst. Dazu später mehr.

    Borgholzhausen, unser nächstes Etappenziel, macht einen seltsam leblosen Eindruck. Gegenüber der Kirche gibt es ein Imbißrestaurant mit Pizza und Falafel, eine Attraktion, die von der Jugend der Gegend und uns gern genutzt wird.

    Eine große Tankstelle, ein riesiger Supermarkt, daneben noch Aldi und Kik - was braucht man mehr? Touristen wissen wahrscheinlich nicht, was sie hier sollen, also wird hier nur gewohnt. Das Restaurant in unserem Hotel wurde bereits aufgegeben.

    Sehr schade - das Hotel macht einen wirklich guten Eindruck und hätte mehr Kundschaft verdient. Beim Frühstück waren wir die einzigen Gäste und durften uns trotzdem von einem großen, liebevoll angerichteten Buffet bedienen - großartig! Hotel Meyer, zentral in Borgholzhausen - wer mal zufällig vorbeikommt, sollte unbedingt hier übernachten, allein schon wegen des Frühstücks!

    Man nennt den Ort übrigens auch Honig- und Lebkuchenstadt, da von hier aus die ganze Republik und viele Kirmisse und Kramermärkte mit diesen Backwaren beliefert wurden. Inzwischen gibt es aber nur noch einen Betrieb, der sie herstellt. Wo die Liebesherzen wohl jetzt herkommen? Aus China vielleicht? Chinesische Fabrikarbeiter müssen zu Niedrigstlöhnen Schriftzüge aus Zuckerguß auf Lebkuchenherzen schreiben, von denen sie kein Wort begreifen, "Schnucki, gib mir einen Bussi" und "Herzilein, du allein"? Gut, da ist es vielleicht eine Gnade, daß sie nicht wissen, was sie da schreiben.

    Ah - hier gibt es also doch Menschen! Die sind bloß gerade beschäftigt mit der Herstellung von Wurst und Brot. Oder mit ihrer Vertilgung, und das macht man ja zu Hause.

    Fortsetzung folgt

  • Urlaub Hermannsweg: 3. Etappe - Bad Iburg

    Da hat doch auf den Grünstreifen, wo der Anwohner das Gras für seine Kaninchen schneidet, ein Hund hingekackt. Flugs wird ein Schild aufgestellt (rechts unten). Am nächsten Tag wundert sich der Hund, wieso auf seinem Klo so ein komisches Schild steht, macht sein Geschäft zwei Meter weiter - und stellt seinerseits ein Schild auf mit einer harmlosen Frage (rechts oben). Der Anwohner schäumt und antwortet gepfeffert (in blau). Der Hund geht noch zwei Meter weiter ... usw. Wir wissen nicht, wie viele Schilder noch folgen, denn: Wir müssen weiter.

    Hügel auf, Hügel ab, Hügel auf, Hügel ab ... anstrengend, da muß man aufpassen, daß man den Halt nicht verliert vor lauter Schwäche. Oft hört man in dieser Gegend übrigens Holländisch, auch Beschriftungen sind häufig in dieser Sprache. Offenbar sind unsere Flachlandnachbarn gern hier, im Teutoburger Wald.

    Ein Stück unseres Weges säumt riesige Tagebauareale, hier wird Kalkstein abgebaut.

    Aber meistens sieht es so aus. Wir haben Glück - es ist trocken und nicht zu heiß, genau das richtige Wanderwetter.

    Bei aller Natur brauchen wir auf Kultur nicht zu verzichten: Urban Rural knitting.

    So oft ich dieses Foto ansehe, frage ich mich, welcher Buchstabe oder Buchstabengruppe in dem Wort "Schaun's" fehlt - Schaunes? Schaunts? Schaunschs? Habt ihr eine Idee? Malepartus, der Name bedeutet in Tierfabeln einen Fuchsbau. Die "Jausenstation'" bezeichnet sich als die nördlichste Almhütte Deutschlands, tatsächlich gibt es Bier in Maßkrügen, Hax'n und mittelmäßigen Apfelkuchen.

    Anhäger mieten kann man hier auch, so scheint es.


    Foto c Die Störchin

    Hurra, das nächste Etappenziel ist erreicht - Bad Iburg in Niedersachsen, wieder so eine Kleinstadt, die sich durch Eingemeindungen nach allen Seiten ausdehnt. Der Stadtkern um die Burg herum ist hübsch, auch wenn man schnell merkt, daß die Stadt schon bessere Zeiten gesehen hat, in den beiden Hauptgeschäftsstraßen habe ich vier leerstehende Ladenlokale gesehen.

    Wahrscheinlich ein Schicksal, daß Bad Iburg mit vielen Kurstädten teilt. Es gibt noch eine Rehabilitationsklinik sowie ein Sanatorium für psychisch Kranke, ich vermute, in privater Hand - und weit angelegte Parks, wirklich nett. Nur in einem hat Bad Iburg wirklich Pech: So wie sich andere Städte in eine Flußschleife schmiegen, liegt die Kurstadt in einer Schleife der Bundesstraße 51, die von Bremen weit bis in den Süden an die französische Grenze führt und in diesem Abschnitt parallel zur Autobahn A1 verläuft: Manchmal folgt ein Brummi auf den anderen, und man hat Mühe, über die Straße zu kommen.

    Da wir hier einen Tag Pause machen, können wir uns alle Attraktionen genauer ansehen.

    Das ist die größte Taschenuhr der Welt, sie steht sogar im Guiness-Buch der Rekorde, wie man uns stolz versichert. Aber sollte eine Taschenuhr neben ihres Aussehens nicht mindestens zwei Grundeigenschaften haben, nämlich erstens, daß sie eine Uhr ist, und zweitens, daß sie in eine Tasche paßt? Okay, manchmal bin ich ein Spielverderber, ich meine ja nur ...

    Das Uhrenmuseum mit über 800 Uhren ist sehr liebevoll getaltet. Hier gibt es alles ...

    ... von mächtigen Kirchturmuhren ...

    ... bis zu winzigen Uhren in Manschettenknöpfen. Wenn man durch die Räume läuft, hört es sich so an:

    Hier noch ein kleines Kuriosum: Als in den 60ern die ersten Schwarzweißfernsehgeräte auf dem Markt kamen, hatten viele Leute kein Geld für die Anschaffung. Also kaufte man es auf Pump und ließ sich dieses Zeitschaltgerät dazwischen installieren, für 1 Mark konnte man eine zeitlang fernsehen - irgendwann war das Gerät dann abbezahlt. Ich erinne mich: Noch in den 80ern habe ich solche Zeitschaltuhren in England an Heizkörpern gesehen.

    Fortsetzung folgt.

  • Urlaub Hermannsweg: 1. Etappe - Riesenbeck - 2. Etappe - Tecklenburg

    Auf geht's! 156 Kilometer liegen vor uns. Der Weg ist mit einem H bezeichnet - eine gute Karte ist trotzdem unbedingt nötig, denn nicht immer ist die Wegbezeichnung vorhanden oder eindeutig.

    Der Hermannsweg sei einer der schönsten Deutschlands, habe ich gelesen - die erste Etappe geht erstmal weitgehend über flaches Land, das überall sein könnte. Nicht schlecht als Auftakt, schließlich laufen wir nicht jeden Tag bis zu 25 km.

    Das Schild ist alt, wir haben jedenfalls keine Geräte gesehen (muß es nicht heißen: Die Standortaltistin?).

    Könnte auch mal wieder zum Frisör gehen (nein, das ist kein Selfie).

    Wald bei ... äh, Dingenskirchen, wie heißt der Ort noch gleich ...

    ... ah ja, "Nasses Dreieck", hier fließen der Mittellandkanal und der Ems-Dortmund-Kanal zusammen.

    In der Nähe liegt Riesenbeck, Ende der ersten Etappe, über das ich weiter gar nichts sagen kann, außer daß es hier Bewohner gibt, die ihre Strümpfe zum Trocknen rund ums Haus hängen. Merkwürdig.

    Der Barfüßige, der hier im Wald hängt, brauchte nie Strümpfe.

    Die Leute, die hier wohnen oder wandern, müssen lange Arme haben.

    Wir müssen zum "Hockenden Weib" - wir sind gespannt!

    Da ist es - vom Wanderweg aus ist die Form nicht erkennbar, daher müssen wir uns mit der Abbildung begnügen. Vor 135 Millionen Jahren schlug hier die Meeresbrandung an die Felsen.

    Mit Kapuzenjacke und sozialistischem Gruß hockt hier ein anderer - Karl der Große war hier, auf seinem Weg von Goslar nach Aachen, im Jahre 813. Man nannte ihn auch gern den Sachsenschlächter, weil er die Sachsen lieber totschlug, als ihren Glauben zuzulassen, aber davon will man hier nichts wissen.
    Dagegen weiß ich jetzt auch, für wen die Raststätte ist, die die langen Arme erfordert.

    Nachdem wir uns erfolgreich an unheimlichen Waldtieren vorbeigeschlichen haben ...

    ... gelangen wir endlich zum mittelalterlichen Tecklenburg, ein kleines Städtchen auf einem Hügel. Wirklich nett hier.


    Foto c Die Störchin

    Ah! - das haben wir uns verdient. Obwohl die zweite Etappe nur 15 km lang war, sind wir erschöpfter als am Vortag.

    Fortsetzung folgt.

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