szmmctag

  • Umzug

    Nachdem blog.de angekündigt hat, den Betrieb (aus welchen Gründen auch immer) im Dezember einzustellen, findet ihr alle Beiträge von mir hier:

    http://koelnfotos.com

    Das ist eine Wordpress-Seite (wordpress ist gar nicht so schwierig, wie man immer wieder lesen kann, man muß sich nur ein bißchen einarbeiten).
    Ich bedanke mich bei meinen Lesern für ihr Interesse und hoffe, daß sie mir an den neuen Ort folgen werden. Alle aktiven blog.de-Freunde bitte ich, mich wissen zu lassen, wo sie in Zukunft unterkommen, damit wir den Kontakt nicht verlieren. Bis bald!

  • Ein Stand auf dem Trödelmarkt

    Bisher dachte ich immer: Entweder cash, also Barzahlung mit richtigem Geld, oder EC-Karte wollen Händler von einem, wenn man was kauft. Daß man mit EC-Karte nun auch cash bezahlen kann, ist neu. Und wie muß man sich das vorstellen, hat der Händler einen kleinen Tresor um den Hals hängen, der Geld ausgibt, wenn man seine Karte und PIN eingibt? Vielleicht ist das aber auch eine Bezahlungsart unter Gaunern, von der wir nichts wissen, denn wer bitte kauft sich eine Schiebermütze, wo die Verkleidung schon gleich implementiert ist? Ganoven natürlich. "Ob ich den wiedererkenne, der mir die Handtasche geklaut hat, Herr Wachtmeister? Klar, der hatte ganz merkwürdige Augen, so einen stechenden Blick, die Haut seltsam angegraut ...".

    Ob Drogendealer auch so eine Kappe tragen? Wahrscheinlich. In der Zeitung wurde neulich berichtet, die Domumgebung sei einer der großen Drogenumschlagsplätze der Stadt. Es wurde genau beschrieben, was man machen muß, um an ein kleines Päckchen Marihuana (nur darum handelt es sich hier) zu kommen, in aller Öffentlichkeit und unter den Augen der Zivilpolizei. Tatsächlich haben die Beamten gar kein Interesse an diesen Kleindealern, die meist eh nur so geringe Mengen bei sich tragen, daß es zu einer Anklage nicht reicht, man ist eher auf der Pirsch nach Hintermännern und Organisatoren.

    Aber nun hat es in der Zeitung gestanden, und es ist Wahlkampf, im Herbst wird der/die neue OberbürgermeisterIn gewählt, und beide Kandidaten sind nun lautstark der Meinung, man müsse irgendwas machen, das gehe doch so nicht usw.
    Also hat die Polizei sich genötigt gesehen, ein paar Tage später eine Großrazzia durchzuführen: Von 40 durchsuchten mutmaßlichen Kleindealern hatten zwei Marihuana bei sich, und bei zehn durchsuchten Wohnungen wurden zwei Personen vorläufig festgenommen. Ich vermute, die vier hatten ihre Kappen mal kurz abgesetzt. Das Überraschende an dieser Aktion: Der Polizeipräsident wertet das Resultat als großen Erfolg.

    Gut, wenn das so ist, will auch ich mit Lob nicht sparen: Gut gemacht, Jungs! Einfacher wäre es freilich, man würde Marihuana legalisieren, wie es in einigen amerikanischen Bundesstaaten bereits der Fall ist, dann könnte die Polizei sich auch wieder um wichtige Dinge kümmern.

    Ich bin nun für zwei Wochen im Urlaub, Wandern im Schwarzwald. Ich hoffe, ich komme gesund zurück - bis bald!

  • Deutzer Brücke

    Letzten Sonntag war ich in der Deutzer Brücke, die den Rhein überspannt - richtig gelesen, in, nicht auf der Brücke, sie ist nämlich hohl. Am Brückenkopf mußte man durch diese kleine Luke kriechen und hörte eine Klanginstallation des Künstlers Bernd Schurer, auf einer Länge von 180 Metern und 7 Meter Breite. Die Geräusche sind zufallsgesteuert und seien auch von der Temperatur abhängig, sagt der Künstler. So hört es sich auch an, ich habe einen kleinen Film zusammengeschnitten, es sind nur knapp zwei Minuten, also keine Sorge:


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    Schön, schön - auch, wenn man wieder ins Tageslicht kommt.

  • Deutzer Ufer

    Polizei! Verhaften! Einsperren!! Das Foto ist im Mai dieses Jahr entstanden, da durfte noch keiner auf der neuen Freitreppe am rechtsrheinischen Ufer gegenüber der Altstadt sitzen.

    Lange Zeit war es eine Art Geheimtipp: Im Sommer saßen die Touristen in den überteuerten Kneipen der Altstadt - ab Nachmittag im Schatten, während die Kundigen sich ein paar Flaschen Bier am Kiosk holten, über die Deutzer Brücke fuhren und sich da auf der Kaimauer in die Sonne setzten, mit dem schönsten Blick auf die Altstadtsilhouette und den Dom. 2006 hat man im Stadtrat davon Wind bekommen und lobte sogleich einen Wettbewerb aus zwecks Geldausgabe in Millionenhöhe. 2007 erhielt ein Architekt den ersten Preis, 2009 sollte mit dem Bau einer Freitreppe begonnen werden. Man fällte jede Menge Bäume und bewegte Erde. 2010 sollte alles fertig sein.
    Das Foto oben ist im September 2013 (!) entstanden.

    Das ist der Stand gut ein viertel Jahr später, Januar 2014.
    Was war passiert? Als man anfing, die Erde zu bewegen, entdeckte man einiges: Turm- und Mauerreste des römischen Kastells (1.700 Jahre alt), Fundamente einer mittelalterlichen Kirche, Grabstätten, Reste eines mittelalterlichen Wehrturms, die Drehscheibe und Bahndammmauern der Bergischen-Märkischen Eisenbahngesellschaft sowie den Tunnel einer Liliputbahn. Damit kann natürlich niemand rechnen, daß man hier was findet beim Graben. Jedenfalls nicht als Stadtrat. Vorsichtig legte man also alles frei, fotografierte es - und buddelte es, unter Protest einer Bürgerinitiative zum Erhalt der historisch bedeutsamen Funde, wieder zu. Was wir nicht brauchen, brauchen wir nicht. Basta!

    September 2014. Himmel - was brauchen die so lange? Von denen würde ich mir kein Haus bauen lassen.

    März 2015. Zwei drei Wochen noch, sollte man meinen ... inzwischen taucht die Frage auf, wie die Pflege des neuen Bauwerks organisiert werden soll. Die Verwaltung braucht keinen Auftrag auszuschreiben, schließlich ist man selbst im Besitz einer Reinigungsfirma, der Abfallwirschaftsbetriebe Köln (AWB). Man berät sich und teilt dem Stadtrat und der verblüfften Bevölkerung mit, daß die regelmäßige Reinigung dieser 500 Meter langen Freitreppe 860.000 Euro im Jahr kostet. Auf Nachfrage, wie denn diese Summe zustandekomme, antwortet man: Darüber könne man aus Wettbewerbsgründen keine Auskunft geben, schließlich wolle man der Konkurrenz nicht die Geheimnisse der eigenen Kalkulation verraten. Die Konkurrenz ist verdattert und gibt an, daß sie mit weniger als der Hälfte des Betrags vollauf zufrieden wäre, aber das kommt natürlich gar nicht in die Tüte, das sind schließlich öffentliche Gelder, die hier veruntr ausgegeben werden.

    Nehmen wir an, ein Mitarbeiter bei den AWB erhält 3.000 Euro brutto monatlich, also 36.000 Euro im Jahr. Wenn man also 20 Leute einstellen würde, die sich alle nur und ausschließlich um diese 500 Meter kümmerten, kämen wir auf einen Betrag von 720.000 Euro. Bleiben noch 140.000 Euro übrig, für 20 Besen und Eimer und eine Packung Sonderreiniger für 10,98 Euro, wenn mal irgendein Ferkel ein Glas Rotwein umkippt. Also - - das braucht man schon. Die Leute setzen sich dahin! - mit ihren ungewaschenen Hosen, die legen sich ja kein Taschentuch unter ihre Hintern. Zigarettenkippen, Kronkorken, Pommestüten, Flaschen, Hunde, Kinder, Mütter, Obdachlose, Studenten Menschen! - grau-en-haft! Am besten, man sperrt alles zu und verlangt Eintritt.

    Das ist der Stand vor zwei Wochen.

    Heute wurde die Treppe - jedenfalls der untere Teil - zur allgemeinen Benutzung freigegeben, vom Oberbürgermeister persönlich, wie ich im Vorfeld gelesen habe. Die Kosten sind von 6 über 12 und 16 Millionen auf inzwischen knapp 25 Millionen Euro gestiegen, dafür ist die gesamte Anlage aber auch noch gar nicht fertig: Man rechnet damit, daß der Boulevard oberhalb der Treppe Ende des Jahres vollendet wird - Ende des Jahres 2016.

  • Urlaub an der Küste (6)

    Wer mal eine schöne Stadt an der Ostsee besuchen will, sollte nicht nach Kiel fahren. Es kann natürlich sein, daß auch Kiel charmante Seiten hat, allerdings haben wir sie an dem einen Tag, an dem wir da waren, nicht gesehen.

    Das ist der Marktplatz an der St.-Nikolai-Kirche in der Altstadt - sofern man davon überhaupt reden kann: Der Platz ist zum großen Teil Anfang der 70er Jahre mit diesen scheußlichen Pavillons bebaut worden, und von Altstadt kann man hier nur insofern reden, als es sich um das Areal der Altstadt handelt. Die Stadt Kiel teilt das Schicksal vieler großer Städte, sie ist im 2. WK weitgehend zerstört worden.

    Wir dachten zuerst, wir sind nicht richtig informiert, aber da oben auf der Fahne steht es auch: Altstadt. Viel Mühe hat man sich offensichtlich nicht gegeben beim Wiederaufbau, oder ein heute nicht mehr zeitgemäßes Verständnis von Stadt gehabt.

    Immer noch Altstadt. Bei Wikipedia kann man nachlesen, daß die Nazis vorhatten, die Stadt neu zu gestalten: Weg mit den kleinen Gassen, in denen die Subversion gedeiht, hin zu gut kontrollierbaren Straßen, der damalige Stadtbaurat wollte "aus der Altstadt das Zentrum einer „deutschen Stadt“" machen. Und genau der selbe Stadtbaurat war nun nach der Kriegszerstörung für den Wiederaufbau zuständig.

    Und dann war zufällig auch noch "Kieler Woche": Hunderte von solchen Buden, die für viel Geld fiese Speisen aus der Fritteuse und merkwürdige Getränke anboten (Hischblut, das ist Kirschsaft mit Underberg) und die Gäste sadistisch mit einem kakophonischen Klangbrei beschallten. Nichts wie weg hier!

    Zu Hause wartete noch eine Aufgabe auf uns: Die Verkostung diverser einheimischer Getränke (ich die klaren, meine Begleiterin die bunten). Was soll ich sagen: Lieber trinke ich einen eisgekühlten Aquavit.

    Ende.

  • Urlaub an der Küste (5)

    In der Kieler Kunsthalle gibt es einen Trakt zur Kunsterziehung. Hier wird über Farben informiert - mit deutlichen Zeichen, die Patschhändchen schön bei sich zu behalten.

    Aktiv werden dürfen die Kleinen im nächsten Raum. Wer angesichts der Monsterbilder glaubt, hier beschäftige man besser auch einen Psychologen, dem sei gesagt: Daß Kinder Monster malen, ist völlig normal, das dient einer natürlichen Angstbewältigung. Erwachsene machen das nicht mehr, die lesen stattdessen Krimis, oder schauen Horrorfilme, um diffuse Angstgefühle zu kanalisieren. Oder sie gehen in die Kirche.

    Ob die Bilder des deutschen Expressionismus auch der Angstbewältigung dienten, weiß ich nicht, aber ausgeschlossen ist es nicht - die grellen, oft unvermischten Farben, die oft deformierten Körper und gewagten Perspektiven waren damals zumindest relativ neu und ungewohnt.

    Die Ausstellung heißt "CAUboys". CAU, das ist die Abkürzung für Christian-Albrechts-Universität, und mit den boys sind die Maler gemeint, die in einer Beziehung zur Universität stehen oder gestanden haben - zumeist Ehrenbürger der Stadt oder Ehrendoktoren; auf dem ersten Foto Christian Rohlfs, auf dem zweiten Emil Nolde. Nolde erhielt die Ehrendoktorwürde 1927 zu seinem 60. Geburtstag. In den 30er Jahren zeigte er sich als überzeugter Nazi und Antisemit, was das Land Schleswig-Holstein nicht daran hinderte, ihm bereits 1946 den Professorentitel zu verleihen, was vielleicht daran lag, daß man es wiedergutmachen wollte, daß die Nazis trotz der Anhängerschaft des Malers seine Werke für entartet erklärten und ein Malverbot aussprachen. Merkwürdig: Über die Überzeugungen des Künstlers steht gar nichts im Katalogheft ...

    CAUgirls waren in dem Modell der Selbsterhöhung - denn nichts anderes ist es, wenn eine Stadt oder Institution sich damit schmückt, eine "bedeutende" Persönlichkeit mit einem Ehrentitel zu ehren - offensichtlich nicht vorgesehen. Dafür kann natürlich Erich Heckel nichts, von dem die Bilder oben sind.

    Last but not least der großartige Karl Schmidt-Rottluff. Eine kleine, feine Ausstellung, soweit es die Bilder betrifft (der Katalog hätte etwas mehr Mühe verdient), wer die Möglichkeit zu einem Besuch hat, sollte hingehen.

    In einem anderen Trakt gibt es aktuelle Kunst zu sehen. Etwas ratlos staunt man Bauklötze - an. Glücklicherweise hängt da ein Zettel mit Erklärungshilfen: "Yto Barrada setzt überdimensional große Klötze in den Grundformen und Grundfarben mit der Entwicklung des modernen Marokko in Beziehung" - wo der Künstler auch zum Teil lebt. Aha.

    Hier (Werktitel: Shadows of the Future (APTI AP-1500sX)) hat der Künstler Max Sudhues Teile eines Videobeamers auf einen Overhead-Projektor gelegt (im Jahr 2015) ...

    ... was ein solches Bild an der Wand erzeugt. Auf dem Zettel steht u.a.: "In der Collage, die so als farbige 'Schatten der Zukunft' auf die Wand projiziert wird, entfaltet sich die Illusion einer filmischen Erzählung." Ach! Jetzt seh' ich's ... auch noch nicht. Tja.

    Fortsetzung folgt.

  • Urlaub an der Küste (4)

    Wir befinden uns in Tönning, einem kleinen Fischerort. Davorn, an der alten Hafenstraße, kann man überall gut sitzen und was Leckeres essen ...

    ... z.B. Scholle satt. Das habe ich öfter gesehen, ein Lockangebot für eher umsatzschwache Wochentage - ich habe es leider nie wahrgenommen, es paßte immer nie. Aber Kilroy war auch hier.

    Beim diesjährigen Miss-Boje-Wettbewerb errang die Nummer Acht den ersten Platz. Herzlichen Glückwunsch!

    Natürlich gibt es hier auch Kirchen, diese ist allerdings besonders, nicht nur wegen ihres schönen Eingangs, sondern ...

    ... wegen des beeindruckenden barocken Himmels.

    Die Malerei ist von Barthold Conrath, im Jahre 1704 angebracht.

    Wir fahren weiter zum Eidersperrwerk, das 1973 erbaut wurde und seitdem Tönning, Friedrichstadt und das Umland vor Hochwasser schützt - auf der Karte der rote Punkt am unteren Rand.

    Und so sieht's aus. Oben führt ein Fußweg drüber, von wo aus man aufs Meer sehen kann und auf ...

    ... Brutstätten von Seeschwalben und Lachmöwen, die hier gemeinsam ihren Nachwuchs aufziehen.

    Hunderte von Küken sieht man hier, die einen Krach machen, daß man sich fast die Ohren zuhalten will, die sind allerdings nichts gegen eine Horde Kinder, die gerade aus einem Bus gestiegen ist und so sehr lärmt, daß es sogar den Schwalben zuviel wird ...

    ... sie gehen zum Angriff über. Auch auf meiner Schädeldecke hat es zweimal "tock tock" gemacht - ungerecht, schließlich habe ich nur fotografiert. Aber geschadet hat es mir auch nicht.

    Fortsetzung folgt.

  • Urlaub an der Küste (3)

    Wir haben uns ein Auto geliehen, um zu unserem eigentlich Ziel - oder besser gesagt: Zum Anlaß unseres kurzen Urlaubs - zu fahren: Bergenhusen ist ein Storchendorf. Wir waren ja schon in Windheim, Loburg und Rühstädt, da darf Bergenhusen nicht fehlen.

    Das Dorf ist sehr ruhig, man sieht viele landwirtschaftliche Geräte, der Tante-Emma-Laden macht eine ausgedehnte Siesta, das Kirchentor hängt quietschend in der Angel, Tumbleweed wird durch die ansonsten leeren Straßen getrieben, in der Ferne heult ein Kojote ... nee, Quatsch. Aber ich bin froh, daß wir hier nicht abgestiegen sind.

    Es gibt sogar ein kleines Storchenmuseum mit lehrreichen Stellwänden, ausgestopften Tieren und dem ersten, 1959 ausgestrahlten Film des Tierfilmers Heinz Sielmann, der von den Gewohnheiten der Störche in Bergenhusen handelt. Die Kassiererin war ganz enttäuscht, daß wir uns bereits nach ca. einer halben Sunde wieder verabschiedeten.

    Wir fahren weiter und machen einen kurzen Abstecher nach Holland - könnte man denken angesichts der Architektur im Stil der niederländischen Backsteinrenaissance und der vielen Grachten, die das Städtchen Friedrichstadt durchziehen.

    Friedrich III. von Schleswig-Gottorf war ein Herzog mit Schulden und knappen Einkünften. Also kam er auf die Idee, einen Mittelpunkt für den Handel entlang der Linie Spanien, Rußland und Ostindien zu etablieren. Die Handelsschiffe sollten über die Nordsee und durch die Eider in Friedrichstadt anlegen, von wo aus die Waren weitertransportiert werden sollten. Das hat zwar nicht in dem gewünschten Ausmaß geklappt (was mich eigentlich auch nicht wundert), aber zur Gründung einer Stadt hat es gereicht.

    1620 bot er - aufgrund ihres Glaubens in ihrer Heimat verfolgten - Niederländern an, sich hier anzusiedeln. Als Remonstranten bezeichneten sie sich: Im Gegensatz zu den herrschenden Calvinisten waren sie der Überzeugung, daß es Glaubens- und Willensfreiheit gibt.

    Aufgrund der Religionsfreiheit siedelten sich später auch viele Anhänger anderer Glaubensrichtungen an, so daß man von Friedrichstadt als "Stadt der Toleranz" sprach - sogar quietschrote Turnschuhe werden inzwischen geduldet! Prima - hierhin kann man gut mal einen Ausflug machen.

    Das letzte Wort, ganz klein, lautet "nie" - ein bißchen Spaß muß sein. Dafür hat sich hier mal Louis-Philippe versteckt, lange bevor er der letzte König (1830-48) von Frankreich wurde. Und nun waren wir auch hier - ein bißchen Prominenz kann nicht schaden.

    Wir fahren weiter und ignorieren mit Mühe die Hinweisschilder, die uns nach Orten locken wollen, die "Welt" und "Reimersbude" heißen, durchqueren Witzwort und verpassen fast das kleine Wäldchen, wo der "Rote Haubarg" steht. Haubarg, so nannte man hier die Bauernhäuser, und rot war die Farbe der Ziegel, die hier einst das Haus bedeckten, bis es im 18. Jh. abbrannte. Das neue Haus hat ein Reetdach, aber der alte Name ist geblieben. "Mensch und Tier lebten in Haubargen jahrhundertelang unter einem Dach, wenn auch in getrennten Räumen", weiß Wikipedia. In getrennten Räumen also, aha. Aber vielleicht mit gemeinsamer Küche?

    Innen gibt es ein Museum über Landwirtschaft, sicher ganz interessant ...

    ... aber wir gehen lieber ins Café und essen Rhababerkuchen und gebackene Holunderblüten mit Eis.

    Das geht auch mit Kaffee, ich hab's ausprobiert.

    Fortsetzung folgt.

  • Urlaub an der Küste (2)

    Warum man diese Karte verkehrt herum aufgehängt hat - Norden ist hier rechts - weiß ich nicht, jedenfalls zeigt sie, was St. Peter-Ording allen anderen Nordseeorten voraus hat: Der Hauptstrand ist ca. 12 km lang und 2 km breit.

    Wenn man 3 Euro bezahlt hat (es sei denn, man hat eine Kurkarte, die auch 3 Euro pro Tag kostet), darf man über diesen Steg ans Wasser - wenn gerade Ebbe ist, muß man noch ein bißchen weiter laufen.

    An den Stränden stehen Pfahlbauten für Toiletten, Strandaufsicht und Restaurants/Cafés, in denen man von Kuchen über Fritten bis zur vollen Mahlzeit alles bekommt, was der Magen begehrt, sehr schön!

    Ich habe nicht gedacht, daß ich das nochmal zu essen bekomme: Granat (manche sagen auch Krabben, er ist aber eine Garnelenart) auf Spiegelei auf Schwarzbrot. Normalerweise wird der Granat, der in der Nordsee gefangen wird, mit dem Laster quer durch Europa nach Marokko gefahren, wo er von flinken MarokanerInnenhänden gepult und wieder auf die Reise zurück an die norddeutsche Küste und in die ganze Welt geschickt wird. Da ich das auf keinen Fall unterstützen will, habe ich nun schon lange Zeit darauf verzichtet. Hier, in dem Strandlokal "Seekiste" am Böhler Strand, wird der Granat tatsächlich noch vor Ort gepult. Großartig - und sehr lecker!

    Es folgen nun ein paar hundert Strand- und Salzwiesenbilder.

    Eine Salzwiese ist eine Wiese zwischen dem Deich und dem Strand, die bei normalem Tidenhub nicht überflutet wird - manchmal aber eben doch. Die Lämmer, die hier weiden, würzen sich quasi selbst, von innen, ihr Fleisch bekommt durch das gesalzene Gras eine ganz besondere Note. Gemein.

    Noch ein Strandbild - mit "Drama"-Filter vor der Linse.

    Strand satt: Wer noch nicht genug hat, für den habe ich ein paar Bilder in einen Ordner geladen, wer mag, schaut sie sich hier an (ich habe die 45 schönsten Fotos herausgesucht).

    Fortsetzung folgt.

  • Urlaub an der Küste (1)

    Stimmt natürlich gar nicht, daß die Möwen in St. Peter-Ording blaue Mützen tragen, in Wirklichkeit sind sie schwarz. Aber woher sollen die Chinesen, die diese Figuren herstellen, das auch wissen?

    St. Peter-Ording liegt auf der Halbinsel Eiderstedt an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und besteht aus fünf ursprünglich eigenständigen Teilen, die man im Laufe der Zeit zusammengefaßt hat. Unsere Ferienwohnung ist im Teil "Dorf", in dem die namensgebende Kirche St. Peter steht. Und es stimmt, es ist dörflich.

    Die Restaurants, Cafés und Geschäfte knubbeln sich an einer Straße, aber es sind nicht sehr viele, zum Bummeln sehr angenehm.

    Die Restaurants heißen "Kiek in", "Wendt's goode Döns" oder "Spökenkieker" - oder auch einfach "Da Giggi", wenn es eine Pizza sein soll. Die Begrüßung ist allerdings überall gleich: "Moin Moin" sagt man hier zu jeder Tageszeit, das kenne ich noch aus meiner Kindheit.

    Ob das "Café Diem" der Familie Diem gehört oder auf carpe diem anspielt, war nicht zu erfahren, allerdings kann ich mir gut vorstellen, da einen genußvollen Tag zu verbringen.

    Eine Familie mit acht Jungs und zwei Mädchen braucht bei kühlem Wetter nicht weiterzusuchen nach wärmenden Fleecejacken.

    Auf einer Tafel steht: "Jan und Gret waren 'lütte Lüüd', die sich aus dem Meer ihr Zubrot holten. Jan stach den 'Bütt' mit der 'Prigg' und Gret fischte die 'Porrn' mit der 'Gliep'." Aha. Überrascht war ich über die Namen der beiden, denn in Köln läutet das Nachspielen einer Sage um Jan und Griet jedes Jahr den Straßenkarneval ein (wieso habe ich diese Geschichte noch nicht erzählt? Werde ich demnächst mal nachholen).

    So weit, so beschaulich. Nähert man sich nach ca. einer halben Stunde Fußmarsch dem Ortsteil "Bad", ist Schluß mit lustig. Hier soll Geld verdient werden - das ist in "Dorf" natürlich auch nicht anders, aber hier wird es einem auf Tritt und Schritt gezeigt.

    Uralte friesische Architekturkunst ...

    ... sieht anders aus. Der Fußgängerzonencharme soll vielleicht verhindern, daß die Besucher Heimweh bekommen ...

    ... weshalb man auch auf die kulinarischen Spezialitäten nicht zu verzichten braucht, die man von zu Hause gewohnt ist: Schnitzel, Currywurst und Burger.

    Fortsetzung folgt.

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